München wächst auf einer geologischen Besonderheit: der mächtigen Münchner Schotterebene, durchzogen von tertiären Feinsedimenten und einem Grundwasserspiegel, der je nach Isarnähe schon bei zwei Metern ansteht. Wer hier ein Bauvorhaben plant, steht schnell vor der Frage, was unter den quartären Kiesen wirklich trägt. Der SPT (Standard Penetration Test) liefert dafür harte Zahlen. Wir setzen das Bohrgestänge an, lassen das Rammfallgewicht aus 760 mm Höhe fallen und zählen die Schläge pro 300 mm Eindringung – eine Methode, die seit Jahrzehnten weltweit vergleichbare Werte liefert. Gerade im Münchner Stadtgebiet, wo die Schotterdicken zwischen 10 und über 100 Metern schwanken, ergänzt der SPT die klassische Kernbohrung ideal. Für Tragwerksplaner, die in Sendling oder Bogenhausen mit setzungsempfindlichen Nachbarbauten rechnen müssen, schafft diese Erkundung die Grundlage, um die zulässige Bodenpressung nach EC 7 festzulegen. Bei schwierigen Bohrhorizonten kombinieren wir den SPT mit einer Korngrößenanalyse aus dem gewonnenen Bohrgut, um die Klassifikation nach DIN 18196 abzusichern.
Ein einziger fehlerhafter N₃₀-Wert kann die Fundamentbreite um 30 % zu gering auslegen – die Sanierung kostet ein Vielfaches der SPT-Bohrung.
Lokale Besonderheiten
Das SPT-Gerät, das wir auf Münchner Baustellen einsetzen, besteht aus einem automatischen Fallgewichtssystem mit 63,5 kg Masse, einem Gestänge mit Außendurchmesser 50 mm und einer genormten SPT-Sonde nach DIN EN ISO 22476-3. Der entscheidende Moment ist das Freifallen des Hammers. Ein Reibungsverlust im Gestänge oder nachgiebiger Bohrlochabschluss verfälscht die Schlagzahl N₃₀ sofort. Genau das passiert in München häufiger, als man denkt. In Stadtteilen wie Haidhausen oder Schwabing stoßen wir unter Auffüllungen auf stark verdichtete Niederterrassenschotter, die beim Bohren ausbrechen und das Gestänge einklemmen. Ein verfälschter N-Wert führt dann zu einer Überschätzung des Reibungswinkels – und in der Konsequenz zu einer zu knapp bemessenen Fundamentbreite. Der wirtschaftliche Schaden durch Nachgründungen oder Setzungsrisse übersteigt die Kosten einer sauberen SPT-Kampagne um ein Vielfaches. Unsere Bohrmeister dokumentieren deshalb jeden Hammerschlag und gleichen die N-Werte mit dem Kernverlust ab, bevor sie in den geotechnischen Bericht einfließen.
Häufige Fragen
Was kostet ein SPT in München etwa?
Bei Kampagnen ab fünf Punkten reduzieren sich die Kosten durch gemeinsame Baustelleneinrichtung.
Ab welcher Bohrtiefe ist der SPT in der Münchner Schotterebene sinnvoll?
Der SPT beginnt ab 1,5 bis 2,0 m unter GOK sinnvoll zu werden, sobald die quartären Kiese anstehen. Wir setzen ihn in München typischerweise bis 15 m Tiefe ein. Bei größeren Tiefen wechseln wir auf Drucksondierungen, weil das Gestängegewicht die Schlagzahlen verfälscht.
Wie viele SPT-Punkte brauche ich für ein Einfamilienhaus in München?
Für ein Einfamilienhaus auf der Münchner Schotterebene reichen nach EC 7, Geotechnische Kategorie GK 2, meist zwei bis drei SPT-Aufschlüsse in Kombination mit Rammsondierungen. Bei Hanglage oder Auffüllungen empfehlen wir einen vierten Punkt, um Schichtgrenzen sicher zu interpolieren.
Kann der SPT auch Aussagen zur Verflüssigungsgefahr treffen?
Ja, die SPT-Schlagzahlen sind die Basis für das vereinfachte Verfahren nach Seed & Idriss zur Abschätzung der Verflüssigungswahrscheinlichkeit. In München ist das Risiko zwar gering, aber in grundwassernahen Sandlinsen der Isarauen kann es bei einem Bemessungserdbeben relevant werden. Wir korrigieren die N-Werte auf Energieverhältnis und effektive Spannung, bevor wir sie in den zyklischen Spannungsansatz einsetzen.